STARTSEITE  Landesverband Steiermark  Dachverband  Mitglied werden  Funkamateur werden     

OE6GC, Harry, hat in einer Email auf diese Antennenform hingewiesen; insbesondere ihre Breitbandigkeit als auch die Einfachheit der Herstellung prädestinieren sie für ein Selbstbauprojekt:


Halbwellenantenne für 2m/70cm zum Aufrollen

von OE3MZC, Ing. Michael Zwingl (oe3mzc@oevsv.at)

Die Grundform einer wirksamen Antenne ist der Halbwellendipol. Ein Problem dabei ist jedoch die Speisung mit Koaxialkabel in der Mitte. Man benötigt dann zumindest zwei Aufhängepunkte und eine Symmetrierung mittels BALUN. Dabei hängt die Antenne wegen der schweren Koaxleitung und dem Ferritkern im Balun oft nach unten durch. Mechanisch vorteilhafter wäre hier eine unten angespeiste Antennenform. Ein Viertelwellenstrahler hat aber trotz 4-6 Radials nur einen Wirkungsgrad von ca. 30% gegenüber dem Dipol, auch wenn das SWR sehr gut ist. Wesentlich besser ist hier ein Halbwellenstrahler, dieser lässt sich jedoch nicht direkt an das 50Ohm Koaxkabel anschließen, denn der Eingangswiderstand am Ende des Halbwellenstrahlers ist sehr hoch (mehrere tausend Ohm). Abhilfe schafft hier das Prinzip der J-Antenne oder auch als Sperrtopf bekannte Viertelwellen-Umwegleitung. (siehe Bild 1) Dabei wird die extrem hohe Impedanz über ein Lambda-Viertel langes Kabelstück beliebig transformiert. Dazu eignet sich sowohl ein Koaxialkabel, das am Ende kurzgeschlossen wird und eine Anzapfung mittels T-Stück bekommt oder eine Flachbandleitung beliebiger Impedanz. Am offenen Ende des Viertelwellenstubs finden wir die nötige hochohmige Anpassung für den Anschluss an die Halbwellenantenne und am anderen Ende ist die Impedanz sehr niederohmig - also im Extremfall NULL (Kurzschluss) Es muss also nur die richtige Stelle für das 50Ohm Kabel gefunden werden. Diese Antenne ist sehr breitbandig und besonders tolerant gegenüber Aufbauhöhe und Bodenleitfähigkeit.


Bild 1: Parallelspeisung

Selbst wenn die Antennenhalterung abreißt und der Strahler am Boden liegt, ist das SWR noch immer gut! Diese endgespeiste Halbwellenantenne kommt mit nur einem Abspannpunkt aus und eignet sich sehr gut als effiziente Monobandantenne z.B. auf 20m. Die Strahlerlänge beträgt dann etwas weniger als 10m und geht nahtlos in den Mittelleiter des RG58 über. Nach ca. 4,50m gibt man ein T-Stück mit PL-Stecker in die Leitung und kann an einer Seite die beliebig lange Koaxleitung fortsetzen und am noch freien Anschluss wird ein kurzer (ca. 30cm) Koaxstub mit Kurzschluss angeschraubt. Eine derart endgespeiste Halbwellenantenne nennt man auch J-Antenne mit Parallelspeisung. Vorteilig ist auch die einfache Erdungsmöglichkeit und der Wegfall eines Baluns bei dieser Speisungsart.


Bild 2: Serielle Speisung

Als Gegenstück gibt es auch die serielle Speisung über die Viertelwellentransformationsleitung. (siehe Bild 2) Dabei entfällt das Suchen der richtigen Einspeisestelle entsprechend der Impedanz des Koaxkabels und kann durch einfaches Abgleichen der Längen erfolgen. Ein besonderer Fall tritt ein, wenn man die Antenne auch noch für die dritte Harmonische bemisst. Das Antennenprinzip lässt sich hier als Duobandantenne verwenden. Eine aus 240Ohm Bandkabel gebaute J-Antenne wird auf eine Gesamtlänge von 1445mm geschnitten und bei 410mm wird eine Litze des Bandkabels mit dem Seitenschneider durchgeschnitten. Der Rest kann am Bandkabel verbleiben und stört nicht. Die Stromverteilung ist dabei wie in Bild 3 dargestellt. Das SWR ist auf beiden Bändern unter 1,5 und die Antenne eignet sich hervorragend um im Hotelzimmer ein Duobandgerät zu betreiben und die Antenne an der Vorhangstange beim Fenster zu fixieren. Eingerollt kann man sie leicht in der Hosentasche transportieren und auch mal mit einer Schnur auf einen Baum hinaufziehen. Natürlich kann man den Strahler auch in ein Glasfiberrohr integrieren und erhält eine professionell aussehende und effiziente Duobandsperrtopfantenne mit Flachstrahlung.

Aus Draht kann man dieses Prinzip analog für eine 40m und 15m Band Zweibandantenne bemessen. Selbst habe ich mit dieser Antenne für 20m vom Wohnmobil aus Neuseeland und Australien über den langen Weg jeden Abend nach Europa und OE gearbeitet. Dabei habe ich einen FT100 ohne Tuner verwendet und die Antenne war allabendlich schneller aufgebaut als die XYL den Tisch decken konnte – hi.


Bild 3 (oben): Duobandbetrieb
Bild 4 (unten): 2m/70cm Halbwellenantenne

Viel Spaß mit diesem Bastelprojekt – auch für Newcomer!

de VK3FPF

Quelle: Amateurfunkantennen mit geringem Platzbedarf, vth-Verlag (ISBN 3-88180-807-8)
und Rothammels Antennenbuch , 12.Ausgabe, Seite 511 ff

 

 

Selbstverständlich wollte ich wissen, welcher Aufwand für einen erfolgreichen Eigenbau notwendig ist:


Nach Studium des Kapitels in "Amateurfunkantennen mit geringem Platzbedarf" (s.o.) habe ich mich für eine Ausführung mit Serienspeisung und Ausführung mit Bandleitung entschieden.

Materialbedarf inkl. Angabe der Kosten (gerundet auf ganze Euro; Stand Januar 2010):


2m Bandleitung 240 Ohm Neuhold Elektronik, Graz 4 €
Kunststoffrohr, weiss,
Aussendurchmesser 12mm
Innendurchmesser 10mm
Länge 2m
Bauhaus 4 €
BNC-Einbaubuchse Neuhold Elektronik, Graz 2 €

zusätzliches Material: Schrumpfschlauch, Heissklebepistole

Die Antenne wurde auf Basis des Bildes 3 gebaut. Also erst mal die Bandleitung ablängen - ich habe mich genau an die Angaben gehalten. Dann die speiseseitigen Enden abisolieren, verzinnen und an der Koax-Einbaubuchse anlöten. Das Kunststoffrohr wurde mit etwas  Überlänge abgeschnitten (geht recht gut, wenn man das Rohr rundum mit einem scharfen Messer anritzt und dann abbricht); Kanten entgraten. Die Bandleitung mit der Antennenspitze voraus in das Kunststoffrohr eingefügt und die Koax-Einbaubuchse mit dem Kunststoffrohr verklebt. Die Bandleitung hält im Rohr durch die Reibung tadellos und die Verklebung der Koaxbuchase hat sich bei mir in der Praxis bis jetzt sehr bewährt. Zuletzt noch die obere Öffnung des Rohres verschließen: ich mache das immer mit zwei gleich langen Stücken Schrumpfschlauch. Das erste Stück schiebe ich zur Hälfte über das Rohr und schrumpfe es dort fest; den überstehenden Teil so gut es geht nicht schrumpfen und um 180 Grad umschlagen. Das zweite Stück Schrumpfschlauch bündig bis zum Rohrende aufschieben und das Ganze verschrumpfen. Durch das Umschlagen wird das Rohr verschlossen und hält durch den zweiten Schrumpfschlauch tadellos.

!!!Angeschlossen und siehe da: funktionierte auf Anhieb auf beiden Bändern!!!

Ich habe mir dann noch schnell eine Antennenhalterung gebastelt und die Antenne an der Überdachung der Loggia installiert.  Die Antenne ist bei mir für den Relaisverkehr eingesetzt  und funktioniert tadellos. Der Zeitaufwand für den Antennenbau betrug (mit Kaffeegenuss zwischendurch) 30 min.; die Kosten betrugen inkl. Antennenhalterung rd. 15€.

Bilder des Antennenbaus und der fertigen Antenne:

   
   
   
   

 Details zur Halterung:

Wie im letzten Bild zu erkennen ist, wurde die Antenne auf einer Loggia-Überdachung installiert. Dazu war es notwendig, eine geeignete Halterung zu bauen. An der Unterseite der Überdachung befinden sich Stahl-Querträger, welche sich für eine Befestigung anboten. Es wurde daher eine abgewinkelte Halterung aus 25mm breitem und 2 mm dickem Alu aus dem Baumarkt gefertigt. Für die Befestigung der Antenne an der Halterung wurden Kabelhalter, wie sie zum Befestigen von Kabeln an Böden und Wänden geeignet sind, verwendet. Die in die Schellen eingefügten Nägel wurden entfernt und die vorhandene Bohrung auf 3mm erweitert. Dann konnten die Schellen über die ANtenne geschoben werden und an der Halterung mit M3-Schrauben befestigt werden. Da die Schellen um 180 Grad gedreht und räumlich versetzt angebracht wurden, hält die Antenne in dieser Befestigung bombenfest.

Die Antennenhalterung wurde noch mittels zweier Schrauben an einem der Querträger angebracht. Dazu wurden zwei Bohrungen mit einem Innengewinde versehen und der Anteneneträger mit den entsprechenden Ausnehmungen. Nunmehr konnte das ganze Gebilde fix verankert werden.





In der Praxis hat sich der Aufstellungsort für die Antenne aber nicht bewährt, da er dreiseitig umschlossen ist und ein freies Abstrahlen nicht möglich war.  Daher wurde die Antenne verlegt und ist nunmehr an der Aussenseite des Balkons befestigt.


 



 
Zum Seitenanfang | Seite weiterempfehlen | Druckversion | Kontakt | Klassisch | Impressum